„Diesen kleinen Wicht schmeiße ich aus dem Fenster“ – keine gute Äusserung über einen Vorgesetzten

Arbeitnehmer müssen sich einiges schon einiges leisten, bis eine fristlose Kündigung vor dem Arbeitsgericht standhält.

Es gibt aber Arbeitnehmer, die so einiges sprengen, was man noch für akzeptabel halten kann.

Das Arbeitsgericht Siegburg – welches nicht gerade für eine arbeitgeberfreundliche Rechtsprechung bekannt ist – hat nun entschieden, dass eine fristlose Kündigung gerechtfertigt ist, wenn der Arbeitnehmer einer Kollegin gegenüber glaubhaft angibt, er beabsichtige seinen Vorgesetzten aus dem Fenster zu schmeißen und er sei kurz vorm Amoklauf.

In dem konkreten Fall war der Kläger bei der beklagten Stadt seit über 13 Jahren in der Buchhaltung beschäftigt. Der Kläger äußerte gegenüber seiner Kollegin nach einer Auseinandersetzung mit seinem Vorgesetzten über diesen:

„Diesen kleinen Wicht schmeiße ich aus dem Fenster. Ich lasse mir das nicht länger gefallen. Ich bin kurz vorm Amoklauf. Ich sage dir, bald passiert was. Der lebt gefährlich, sehr gefährlich.“

Der Kläger erhielt daraufhin eine fristlose und hilfsweise fristgerechte Kündigung, gegen die er Kündigungsschutzklage erhob.

Das Arbeitsgericht Siegburg hat die Klage abgewiesen.

Die fristlose Kündigung hielt das Arbeitsgericht Siegburg nach Vernehmung der Kollegin als Zeugin für gerechtfertigt. Der wichtige Kündigungsgrund lag nach Auffassung des Arbeitsgerichts Siegburg darin, dass der Kläger in ernstzunehmender Art und Weise gegenüber seiner Kollegin Äußerungen getätigt habe, die sowohl die Ankündigung für eine Gefahr von Leib und Leben des Vorgesetzten als auch die Ankündigung eines Amoklaufs beinhaltet hätten. Der Kläger habe die Drohung nach Überzeugung des Arbeitsgerichts Siegburg absolut ernst gemeint. Eine vorherige Abmahnung sei in diesem Fall entbehrlich. Eine Weiterbeschäftigung des Klägers bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist sei dem Arbeitgeber nicht zuzumuten.

Arbeitsgericht Siegburg, Urteil vom 04.11.2021 – 5 Ca 254/21

Schlosser Rechtsanwälte

Nonnenstrombergstraße 5
50939 Köln
 
Telefon: 0221 / 30 14 25-0
Telefax: 0221 / 30 14 25-1
 
Kanzlei@RASchlosser.de

Monatsarchive